30. April 2026: 150. Jahrestag der Einweihung der Johanneskirche in Stuttgart (30.04.1876)

Johanneskirche mit Feuersee (historisch)

Die Stuttgarter Johanneskirche gilt als das bedeutendste Kirchengebäude des 19. Jahrhunderts in Stuttgart. Sie wurde mit Baubeschluss vom 9. Juni 1865, dem am 18. September 1865 erfolgten ersten Spatenstich und der am 30. Oktober 1866 gefeierten Grundsteinlegung nach Plänen des Stuttgarter Architekten und Oberbaudirektoren Christian Friedrich von Leins im Stil der Neugotik errichtet und am 30. April 1876 eingeweiht. Für das Bauvorhaben war bereits 1858 ein Kirchenbauverein gegründet worden. Zu den Mitarbeitern Christian Friedrich von Leins gehörten Prof. Robert Reinhardt und Baurat Theophil Frey.

Die Komposition eines dreischiffigen Langhauses mit Querhaus und sich anschließendem Chor mit Chorumgang zeigen die Nachahmung der französischen Hochgotik, während die Gestalt eines breiten achtseitigen Querhauses und die um die Vierungspfeiler herumgeführten Emporen Langschiff und Querhaus zu einem Zentralraum zusammenführen und auf diese Weise auf das Raumdenken des Protestantismus Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts verweisen, welches per se auf das von Martin Luther propagierte Bauideal des 16. Jahrhunderts mit dem für ihn wesentlichen Prinzip der Raumvereinheitlichung von der Abendmahlfeier am Altar, die Wortverkündigung auf der Kanzel und der Musik mit Gesang und Orgel auf der Orgelempore zurückgeht.

Die Johanneskirche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Die Johanneskirche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Mahnmal der Stadt zum Gedenken an die Opfer und die Zerstörungen im Krieg

Die Bombenangriffe vom 11. März 1943 zerstörten die Kirchenfenster, diejenigen zwischen dem 7. und 8. Oktober 1943 das Dach und die Gewölbe der Kirche und schließlich der Angriff vom 25. Juli 1944 die Turmspitze. Die Wiederherstellungsarbeiten begannen im August 1946 unter der Leitung des Architekten Prof. Rudolf Lempp. Die Kirche sollte nun nicht mehr so wie sie war, wieder aufgerichtet werden, sondern sollte bewusst als Mahnmal der Stadt zum Gedenken an die Opfer und die Zerstörungen im Krieg fungieren, so dass das Kreuzrippengewölbe im Langschiff durch eine flache Decke aus Betonfertigteilen ersetzt wurde und der Turm als Turmstumpf erhalten blieb. Am 13. Juni 1948 fand der erste Gottesdienst in der wiederhergestellten Kirche statt. 

1969 wurde der Innenraum der Kirche unter der Leitung des Architekten Fleck renoviert. Die Betondecke wurde nun durch eine niedrigere Akustikdecke ersetzt, die Kirchenbänke durch neue mit anderer Aufstellung ausgetauscht und der Chor mit künstlerisch gestalteten Fenstern von Rudolf Yelin d.J. zur Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus und zum Trost der Hinterbliebenen mit dem Leitthema des Auferstandenen ausgestattet. Ab 1977 folgten auch die Glasmalereien der Chorseitenfenster nach Entwürfen von Rudolf Yelin d.J.

Dr. Anette Pelizaeus

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