„Ein Sprecher der Bekennenden Kirche“

150. Geburtstag von Theophil Wurm (1868 - 1953)

Er war Kirchenpräsident und Landesbischof in Württemberg, Unterzeichner des Stuttgarter Schuldbekenntnisses und Mitbegründer und erster Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Am 7. Dezember vor 150 Jahren ist Theophil Wurm geboren.

Theophil Wurm
Theophil Wurm

1868 wurde Theophil Wurm in Basel geboren. Sein Vater Paul war zu dieser Zeit theologischer Leiter am Missionshaus der Basler Mission, seine Mutter Regula stammte aus Chur. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Tübingen und einer achtjährige Vikariatszeit wirkte er ab 1899 bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart. 1900 heiratete er die aus Blaubeuren stammende Marie Bruckmann; das Ehepaar hatte vier Kinder. 1913 wurde er zweiter Pfarrer in Ravensburg, 1920 Dekan in Reutlingen und 1927 Prälat von Heilbronn. Wurms konservative Grundeinstellung zeigte sich in seiner Abgeordnetentätigkeit in der verfassungsgebenden Versammlung und im ersten Landtag Württembergs sowie in seiner Mitgliedschaft in der – pietistischen – Gruppe im Landeskirchentag ab 1925.

1929 wurde Wurm zum Kirchenpräsident gewählt; ab 1933 mit dem Titel Landesbischof. Wurm, der nie ein positives Verhältnis zur Weimarer Republik gefunden hatte, sympathisierte zunächst mit der nationalsozialistischen Bewegung, schien diese doch in seinen Augen eine christlich geprägte Volksgemeinschaft anzustreben. Zudem war es für Wurm zentral, dass die Kirche nicht nochmals, so wie im 19. Jahrhundert im Blick auf die Arbeiterschaft, abseits stand. Auch den Deutschen Christen begegnete er wohlwollend, schien doch nun eine großangelegte Volksmission möglich zu werden. Die Zeit der Euphorie währte jedoch nur kurz: Hatte Wurm zunächst noch den Kandidaten der Deutschen Christen für das Reichsbischofsamt, Ludwig Müller, unterstützt, so erkannte er nur zu bald dessen ungenügende theologische Kompetenz und dessen vornehmlich auf Machtgewinn und -erhalt ausgerichtetes Handeln.

Als Müller auch die württembergische Landeskirche gleichschalten wollte, sammelte sich im April 1934 bei einem Gottesdienst Wurms im Ulmer Münster die kirchliche Opposition, die sich dann im Mai 1934 auf der Barmer Bekenntnissynode mit der Barmer Theologischen Erklärung ihr Grunddokument gab. Wurm stieg rasch zu einem der Sprecher der Bekennenden Kirche auf, zumal der Reichsbischof im Herbst 1934 einen zweiten Versuch unternahm, Wurm zu beseitigen. Der mit Hausarrest Belegte erhielt jedoch durch die Gemeindeglieder massive Unterstützung. Der sogenannte Führerempfang am 24. Oktober beendete den Hausarrest. Im Folgenden war Wurm auf die Sicherung der Landeskirchen bedacht, weshalb er auch bereit war, mit dem vom Staat ernannten Reichskirchenminister zusammenzuarbeiten. Dies brachte ihm nicht nur massive Kritik seitens der württembergischen Sozietät ein, sondern führte letztlich auch zur Spaltung der Bekennenden Kirche in einen „radikalen“ und einen lutherischen Flügel: Wurm war Mitglied des Lutherischen Rates. Da Wurm den nationalsozialistischen Staat nach Römer 13 als Obrigkeit verstand, sah er sich nur berufen, ihm gegenüber ein Wächteramt auszuüben. Ab 1938 häuften sich seine mahnenden Eingaben an nationalsozialistische Funktionsträger (trotz einer antijüdische Grundhaltung 1938 verhaltener Protest wegen der Zerstörung der Synagogen; 1940 Intervention gegen die Tötung „unwerten Lebens“; 1941 Eingaben gegen die Kürzung von Staatsleistungen, den Einzug der Seminare sowie gegen das Verbot der evangelischen Presse; 1942 Verweis auf das 5. Gebot angesichts der ruchbar gewordenen Massenhinrichtungen von Juden im Osten). Zwar hatte Wurm seine Proteste nicht öffentlich ausgesprochen, doch viele zirkulierten in Abschriften und wurden im Ausland bekannt gemacht. Im Übrigen nahm die württembergische Landeskirche anderenorts verfolgte Theologen auf, darunter auch Christen jüdischer Herkunft. Ab 1943 initiierte Wurm das Kirchliche Einigungswerk und legte damit die Basis für die im August 1945 in Treysa vollzogene Neuordnung der evangelischen Kirche. Auf der 2. Sitzung des vorläufigen Rates der EKD, zu dessen Vorsitzenden Wurm gewählt worden war, wurde im Oktober 1945 die Stuttgarter Schulderklärung verabschiedet. Befremdlich waren zum Teil Wurms Äußerungen in Entnazifizierungsverfahren und seine Kritik an den Siegermächten. 

1948 trat er als Landesbischof zurück; er verstarb am 28. Januar 1953 in Stuttgart. 

Professor Dr. Siegfried Hermle

Meldungen, die Sie interessieren könnten

Elisabeth Moltmann-Wendel.

Gedenktag: 100. Geburtstag von Elisabeth Moltmann-Wendel (25.07.1926)

Am 25. Juli 1926 wurde die Pionierin der Feministischen Theologie in Deutschland, Elisabeth Moltmann-Wendel, geboren. Mit ihren Werken und ihrem öffentlichen Wirken trug sie maßgeblich dazu bei, dass die theologische Autorität von Frauen heute allgemein anerkannt ist.

Weiterlesen

Pfarrer Peter Schaal-Ahlers

Eintrittsgebühren für Kirchen?

Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster, einer der meistbesuchten Kirchen Württembergs. Auch das Münster kämpft mit hohen Kosten für Erhalt und Unterhalt der Kirche. Da liegt die Versuchung von Eintrittsgebühren nahe - trotzdem plädiert Schaal-Ahlers hier für andere, kreativere Wege der Finanzierung.

Weiterlesen

Antonia Schmidt mit Johannes-Brenz-Preis ausgezeichnet

Antonia Schmidts Dissertation geht auf die Reaktion württembergischer Pfarrer und Gemeinden auf die Soziale Frage im 19. Jahrhundert am Beispiel der Regionen Heilbronn und Geislingen/Steige ein.

Weiterlesen

Video: Kirchen bieten Abkühlung

Ein Kühlschrank zum Reinsitzen? Das wär’s jetzt! In vielen Städten und Dörfern stehen tagsüber Kirchen offen – gratis und für alle. Jeder kann eintreten, sich abkühlen, beten, einfach nur ausruhen.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 200. Todestag von Johann Friedrich Oberlin

Am 1. Juni 1826 starb der evangelische Pfarrer, Pädagoge und Reformer Johann Friedrich Oberlin. Er verstand sich als Lehrer und Katechet der Kinder, aber auch der Erwachsenen. Auf Oberlins Initiative hin entstanden Kleinkinderschulen, die Vorläufer der Kindergärten.

Weiterlesen

Gedenktag: Zum 350. Todestag von Paul Gerhardt (27.05.1676)

Am 27. Mai 1676 starb Paul Gerhardt, der populärste Dichter im Evangelischen Gesangbuch und ein Meister der deutschen Sprache. Fest verankert in der lutherischen Theologie seiner Zeit formulierte Gerhardt Dogmatik im Sprachgewand persönlicher Erfahrung des Glaubens.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y