Ein Gesprächsformat in Reutlingen als #VerständigungsOrt

Gegenseitiges Verstehen verhilft zu einer differenzierten Wahrnehmung gesellschaftlicher Herausforderungen und zu einer konstruktiven Verständigung über die notwendigen Lösungsansätze

Mit dem Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ gibt es in Reutlingen einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt der Geschäftsführer des Diakonieverbands Reutlingen, Pfarrer Dr. Joachim Rückle, wie dabei Themen wie Nächsten- bzw. Fremdenliebe diskutiert werden. Das Format ist Teil der Initiative #VerständigungsOrte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Diakonie Deutschland und der „midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie“.

Pfarrer Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer vom Diakonieverband Reutlingen
Pfarrer Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer vom Diakonieverband Reutlingen

Warum ist Ihr Gesprächsformat ein #VerständigungsOrt? 

Dr. Joachim Rückle: Das vom Verein Mehr Demokratie entwickelte Format „Sprechen und Zuhören“ ermöglicht ein intensives gegenseitiges Verstehen, fördert aber auch ungemein die eigene Reflexion. Möglichst gut gemischte Vierergruppen tauschen sich dabei zu unterschiedlichen Themen aus. Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut? Alle haben der Reihe nach vier Minuten Zeit sich dazu zu äußern, ohne unterbrochen zu werden. Es gibt drei Runden zur selben Frage. Das Gehörte wirkt dabei anregend für die eigene Reflexion. Man versteht gerade auch andere Meinungen, Haltungen durch das Erzählen persönlicher Erfahrungen viel besser.

Wieso ist es Ihnen beim Diakonieverband Reutlingen wichtig, einen #VerständigungsOrt anzubieten?

Rückle: Letztlich geht es darum, wie Nächstenliebe bzw. Fremdenliebe heute in einer vielfältigen Gesellschaft möglich ist. Außerdem geht es darum, auf dem Hintergrund wachsender Einsamkeit und Oberflächlichkeit wieder positive Erfahrungen mit persönlichen Begegnungen zu vermitteln. Letztlich ist dies auch Voraussetzung dafür, dass gesellschaftlicher Frieden und Solidarität und gelebte Demokratie erlebt werden können.

Kam es auch tatsächlich zu Kontroversen, die man für alle Beteiligten konstruktiv bearbeiten konnte? Kommt es zu „Verständigung“? Was verstehen Sie bei Ihrem Format konkret unter „Verständigung?“

Rückle: Es kommt vor allem dazu, dass man einander versteht, dass man nachvollziehen kann, wie jemand anderes auch zu einer anderen Meinung kommt. Methodisch geht es bei Sprechen und Zuhören mehr um ein differenziertes Wahrnehmen und nicht um einen Streit über die richtige Lösung. Wir haben deshalb eine Woche später ein Wahlpodium veranstaltet. Ein Großteil der Menschen ist wiedergekommen. Die politische Debatte war sehr konstruktiv. Das heißt: Gegenseitiges Verstehen hilft zu einer differenzierten Wahrnehmung gesellschaftlicher Herausforderungen und zu einer konstruktiven Verständigung über die notwendigen Lösungsansätze. Zum Beispiel gab es großen Konsens darin, dass mehr in Bildung investiert werden muss.

#VerständigungsOrte

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. der EKD, der Diakonie Deutschland und der "midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie" ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen.

Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut?
Die Fragestellung in der Reutlinger Vesperkirche war: Wie geht’s mir beim Thema Armut?

Haben Sie ganz praktische Tipps, wie man - auch aus einer christlichen Haltung heraus - angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus wieder ins Gespräch kommen kann?

Rückle: Ich kann dieses Format sehr empfehlen. In Reutlingen gibt es jetzt eine ganze Reihe von Veranstaltungen in diesem Format, verantwortet von der katholischen Erwachsenenbildung. Die Methode ist gerade bei sehr kontrovers diskutierten Themen sehr hilfreich.

Was würden Sie anderen empfehlen, die auch einen #VerständigungsOrt anbieten möchten?

Rückle: Bevor man mit konkreten Planungen loslegt, braucht es eine Gruppe von Menschen, die sich dafür begeistern lassen. Bei uns gab den Ausschlag eine Moderationsschulung, an der fast 80 Personen teilgenommen haben und in der das Format erlebt und reflektiert werden konnte. Und dann braucht es Partner mit Erfahrung, mit Räumlichkeiten, Netzwerk … Der große Vorteil: Man braucht keine externen Referenten und hat wenig Vorbereitungsaufwand.

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Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

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