Ein Diakonieladen in Blaubeuren als #VerständigungsOrt

„Wertschätzung ist ein grundlegender Bestandteil von Verständigung.“

Mit dem Begegnungstreff gibt es im Diakonieladen in Blaubeuren einen Ort zum Reden und Zuhören. Im Interview erzählt Christine Klass, Leiterin des Begegnungstreffs Blaubeuren der Diakonischen Bezirksstelle, wie vielfältig das Veranstaltungsangebot dort ist, welche Personengruppen sich engagieren und wie wichtig Wertschätzung für Verständigung ist. Der Begegnungstreff ist Teil der Initiative #VerständigungsOrte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Diakonie Deutschland und der „midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie“.

Christine Klass, Evangelischer Diakonieverband Ulm/Alb-Donau
Christine Klass, Evangelischer Diakonieverband Ulm/Alb-Donau

Warum ist Ihr Projekt ein #VerständigungsOrt?

Christine Klass: Der Begegnungstreff ist ein Ort, wo unterschiedliche Menschen zusammenkommen. In gemütlicher Atmosphäre geht es um ganz verschiedene Themen: Vorträge mit Möglichkeiten zum Austausch zu Borderline aus Sicht einer Betroffenen, ADHS oder allgemein zu psychischen Erkrankungen. Ein Gesprächscafé Alter und Demenz ermöglicht es Angehörigen und Interessierten, Kontakte zu knüpfen und Informationen zu erhalten. Bei Veranstaltungen zur politischen Bildung in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungswerk Alb-Donau „Wir müssen reden: ‚Das wird man ja wohl noch sagen dürfen‘“, „Wir müssen handeln“ – zu Energie und Klima sowie zur Kommunalpolitik wurde engagiert miteinander diskutiert. 

Zudem bieten wir Workshops zu Themen wie Entspannung oder Ressourcen-Schatzkiste an. Bei Smartphone-Sprechstunden unterstützen SchülerInnen einzeln die Teilnehmenden bei ihren Fragen, so dass die Generationen direkt voneinander lernen. PfarrerInnen gestalten Nachmittage zu unterschiedlichen Themen und im Erzählcafé treffen wir uns zum „Empathie-Spiel“. Die Hospizgruppe und der Arbeitskreis Asyl berichteten von ihrer Arbeit. 

Dies ist nur ein Teil der Angebote und auch die hier nicht explizit genannten sind genauso wichtig. Ein Team von Ehrenamtlichen gestaltet das Programm prägend mit. Das Projekt ist gefördert von der Aktion Mensch. Der Zugang ist barrierefrei und die Teilnahme in der Regel kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Der Begegnungstreff wird so zum Verständigungsort, da unterschiedliche Menschen zu ganz verschiedenen Themen angesprochen werden und miteinander in Kontakt kommen. Alle haben niederschwellig die Möglichkeit zur Beteiligung.

Wieso ist es der Diakonischen Bezirksstelle Blaubeuren wichtig, einen #VerständigungsOrt anzubieten?

Klass: Der Diakonieladen in Blaubeuren war schon immer ein Ort der Begegnung. Mit dem Begegnungstreff kann dies weiter ausgebaut werden. Ein Ort, wo Menschen unkompliziert zusammenkommen können, ermöglicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und genau dies ist die Grundlage von Verständigung. Orte, wo Reden und Zuhören gelebt wird, wo Menschen sein dürfen, wie sie sind. Wertschätzung ist dabei ein grundlegender Bestandteil von Verständigung.

Kommt es auch tatsächlich zu Kontroversen, die man für alle Beteiligten konstruktiv bearbeiten kann? Kommt es zu „Verständigung“? Was verstehen Sie bei Ihrem Format konkret unter „Verständigung?“

Klass: Ja, es wird auch kontrovers diskutiert. Und manche Themen fordern die gewohnte Denkweise heraus. Begegnung mit unterschiedlichen Menschen bereichert unsere Erfahrung. Wertschätzung heißt nicht, dass ich alle Ansichten teile. Doch die Würde eines jeden Menschen muss geachtet bleiben. Wir verstehen unter Verständigung, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Und wir halten es für wichtig, dass Menschen einen Ort dafür haben.

#VerständigungsOrte

Kirche und Diakonie setzen sich angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus für mehr Verständigung ein. Die Initiative #VerständigungsOrte – Wir. Reden. Hier. der EKD, der Diakonie Deutschland und der "midi – Zukunftswerkstatt von Kirche und Diakonie" ermutigt alle Gemeinden und Einrichtungen von Kirche und Diakonie dazu, Räume für Gespräche zu öffnen und Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zum Austausch einzuladen.

Veranstaltungsort des Begegnungstreffs ist der Diakonieladen in Blaubeuren.
Veranstaltungsort des Begegnungstreffs ist der Diakonieladen in Blaubeuren.

Haben Sie ganz praktische Tipps, wie man - auch aus einer christlichen Haltung heraus - angesichts von Krisen, Polarisierung und Populismus wieder ins Gespräch kommen kann?

Klass: Um bei allen Krisen und Nöten ins Gespräch zu kommen, braucht es Räume, die offen dafür sind. Bevor es um Antworten und Lösungen geht, müssen zunächst die Probleme gewürdigt werden. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – so Martin Buber – das heißt auch, dass wir einander brauchen. Und wenn wir herausgefordert werden, wenn Lösungen nicht direkt in Sicht sind, dann ist eine Gemeinschaft erst recht hilfreich. Doch die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Solidarität ist die Motivation, weiterzumachen und an nötigen Veränderungen zu arbeiten.

Was würden Sie anderen empfehlen, die auch einen #VerständigungsOrt anbieten möchten?

Klass: Wenn es jemand anbieten möchte, ist dies schon eine ausreichende Grundlage. Gewinnbringend finden wir die Vernetzung mit anderen AkteurInnen – und da ist es schön zu merken, wie viele dies eigentlich sind. Wir sind nicht allein unterwegs – in diesem Wissen ist vieles möglich. Ein herzliches Dankeschön an alle, die mit auf diesem Wege sind.

#VerständigungsOrte in der württembergischen Landeskirche

#VerständigungsOrt in Tübingen: „Wie heute streiten?“

„Wie heute streiten?“ - dieser Frage widmet sich die Gesprächsreihe "Verständigungsorte der Demokratie" der Eberhardsgemeinde Tübingen in Kooperation mit dem Landestheater. Pfarrer Dr. Martin Böger berichtet im Interview über die Erfahrungen mit einem Raum für pointierte, ehrliche und wertschätzende Diskussionen.

Weiterlesen #VerständigungsOrt in Tübingen: „Wie heute streiten?“

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

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Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

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