Irankrieg, Gaza, Ukraine - bei all diesen Kriegen ist der Sudan in Vergessenheit geraten. Doch auch dort tobt seit drei Jahren ein heftiger Bürgerkrieg. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nennt in einer Mitteilung zum dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs bedrückende Zahlen: Mehr als 150.000 Menschenleben hat der Krieg laut EKD gefordert, 21 Millionen Menschen hungern und mehr als 13 Millionen wurden vertrieben. Die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Wasser wird zunehmend schwieriger. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg, die Evangelische Mission in Solidarität und die Diakonie Katastrophenhilfe versuchen, die Not zu lindern.

Valerian Grupp vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg (EJW) ist Landesreferent und zuständig für die Hilfsprojekte im Sudan. Bereits seit 25 Jahren unterstützt der EJW Weltdienst verschiedene Projekte im Sudan sowie Südsudan und kooperiert dabei mit dem örtlichen YMCA - dem Pendant zum deutschen CVJM. Alle paar Jahre kommt es in dem afrikanischen Land zu neuen militärischen Konflikten zwischen rivalisierenden Gruppierungen. Die Situation ist im Februar 2023 dann komplett eskaliert. Rebellengruppen kämpfen gegen Regierungstruppen. Verschiedene Länder wie Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien unterstützen die verfeindeten Lager mit Waffen und Geld und verfolgen dabei eigene Interessen.
„Wegen dieser Situation wird es immer schwieriger, Geld in den Sudan zu schicken“, sagt Valerian Grupp. „Die meisten Banken boykottieren Überweisungen.“ Es stehe immer der Verdacht der Terrorfinanzierung im Raum. Das EJW finanziert seit vielen Jahren eine Schule für Flüchtlingskinder. Diese wurde in Port Sudan gegründet für Familien, die wegen eines bewaffneten Konflikts geflüchtet waren. Durch den neuen Bürgerkrieg sei die Zahl der Schüler von 500 auf 800 gestiegen, berichtet Grupp.

In Port Sudan kann der dortige YMCA die Schule im Flüchtlingsgebiet Engaz offen halten. Für die 600 Kinder gibt es nicht nur Unterricht, sondern auch ein Frühstück und sauberes Wasser. Seit der Damm gebrochen ist, der Port Sudan mit Trinkwasser versorgt hat, muss Wasser mit Eselskarren zur Schule gebracht werden.
Am wichtigsten sei für die Kinder die tägliche Schulspeisung, berichtet Grupp. „Für viele ist es die einzige Mahlzeit am Tag“. Auch sauberes Trinkwasser erhalten die Schüler. Mit 50.000 Euro hat das EJW im vergangenen Jahr Schule und Schulspeisung unterstützt und sammelt auch aktuell wieder Spenden für das Projekt. „Wir haben nach langem Suchen einen Finanzdienstleister gefunden, der es schafft, die Spenden in den Sudan zu überweisen“, sagt Grupp. Vertrauensleute vor Ort, die die Akteure des EJW persönlich kennen, bestätigten den Eingang der Spenden, die vierteljährlich überwiesen werden. „Wir erhalten auch jedes Jahr einen detaillierten Finanzbericht aus dem Sudan.“

Anlässlich der Sudan-Konferenz am 15. April in Berlin fordert die Diakonie Katstrophenhilfe, dass die Geberländer die Hilfsprogramme für den Sudan finanziell stärker unterstützen, um die enorme Finanzierungslücke zu schließen. Im vergangenen Jahr sei der humanitäre Hilfsplan für den Sudan nur zu 40 Prozent finanziert gewesen, knapp 2,2 Milliarden Euro hätten gefehlt. Millionen Menschen hätten keine Hilfe erhalten können. Dagmar Pruin, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe sagt: „Unsere Welt ist von Kriegen gezeichnet, während konkrete Solidarität in Form von humanitärer Hilfe politisch an Bedeutung verliert. Im Sudan sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Es braucht eine internationale Kraftanstrengung, um der derzeit größten humanitären Katastrophe wirksam zu begegnen. Sonst werden viele Menschen, die schon heute akut hungern, ein viertes Kriegsjahr nicht überleben. Stärke zeigt sich darin, den Schwächsten beizustehen.“
Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS), bei der die württembergische Landeskirche Mitglied ist, engagiert sich im Südsudan, der sich vor wenigen Jahren als neuer Staat vom Sudan losgesagt hat. EMS schreibt dazu: „Der Südsudan gehört zu den am wenigsten entwickelten Staaten Afrikas. Nur etwa ein Drittel seiner 13 Millionen Einwohner*innen kann lesen und schreiben. Bei Frauen und Mädchen ist die Quote sogar noch niedriger. Das Bildungsniveau ist aufgrund eines Mangels an Schulen, Lehrkräften und Unterrichtsmaterialien äußerst niedrig. Kirchliche Institutionen versuchen, den Schulbetrieb unter schwierigsten Bedingungen aufrecht zu erhalten. Zu ihnen zählt auch die Presbyterianische Kirche des Südsudan (PCOSS), eine Partnerkirche der Basler Mission – Deutscher Zweig.“ Über die Basler Mission unterstützt die EMS diese Arbeit.
Spendenkonto des Ev. Jugendwerks in Württemberg
IBAN: DE24 5206 0410 0400 4054 85
Evangelische Bank
Stichwort: WDSUD03 – Nothilfe Sudan
Spendenkonto der Diakonie Katastrophenhilfe
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
Evangelische Bank
Stichwort: Nothilfe Sudan
Spendenkonto der Evangelischen Mission in Solidarität
IBAN: DE85 5206 0410 0000 0001 24
Evangelische Bank
Stichwort: Südsudan: Bildung für die Zukunft - Schulen und Kinderheim
Mit Material von epd/EKD/EMS
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