„Fundamentaler Beitrag zur Erinnerungskultur der Evangelischen Landeskirche in Württemberg“

Der Evangelische Bund Württemberg zeichnet zwei akademische Arbeiten mit dem Klaus-W.-Müller-Hochschulpreis aus 

Der Klaus-W.-Müller-Hochschulpreis des Evangelischen Bundes Württemberg prämiert 2026 zwei Arbeiten: Debora Mauch erhält den 1. Preis (dotiert mit 700 Euro) für ihre Arbeit Pfarrfrau im Widerstand? Elisabeth Goes und ihr Wirken im Kontext des Nationalsozialismus. Den 2. Preis (dotiert mit 300 Euro, erhält Sandra Schwenkschuster für eine Arbeit zu Gustav Werners Amtsverständnis. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl überreichte die Auszeichnungen am 3. November im Evangelischen Stift Tübingen. Das Thema der diesjährigen Ausschreibung lautet „Amt und Würde“. 

2. Reihe von links nach rechts: Pfarrer Dr. Michael Jonas, Prof. Dr. Jonathan Reinert, Christina Krause (1. Vors. Ev. Bund), Pfarrer Dr. Jonas Frank;
1. Reihe von links nach rechts: Lea Trugenberger, Debora Mauch (Hochschulpreis des Ev. Bundes, 1. Preis), Sandra Schwenkschuster (Hochschulpreis des Ev. Bundes, 2. Preis), Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan Dr. Martin Hauff (2. Vors. Ev. Bund)
2. Reihe von links nach rechts: Pfarrer Dr. Michael Jonas, Prof. Dr. Jonathan Reinert, Christina Krause (1. Vors. Ev. Bund), Pfarrer Dr. Jonas Frank; 1. Reihe von links nach rechts: Lea Trugenberger, Debora Mauch (Hochschulpreis des Ev. Bundes, 1. Preis), Sandra Schwenkschuster (Hochschulpreis des Ev. Bundes, 2. Preis), Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Dekan Dr. Martin Hauff (2. Vors. Ev. Bund)

In ihrer wissenschaftlichen Hausarbeit zur 1. Evangelisch-theologischen Dienstprüfung über Elisabeth Goes, Ehefrau des schwäbischen Pfarrers und Dichters Albrecht Goes, zeige Debora Mauch auf hervorragende Weise, „wie eigenständig und wagemutig, wie sehr auf Augenhöhe mit ihrem Ehemann und wie inspirierend für ihn Elisabeth Goes war, wie sie ohne offizielles kirchliches Amt doch das Amt, die Verpflichtung und die Freiheit zur Nächstenliebe und zum diakonischen Dienst gegenüber jedermann ausgeübt“ habe. So habe Goes während des Kriegsdienstes von Albrecht Goes als Teil der sogenannten schwäbischen Pfarrhauskette vier Juden bis Kriegsende vor den Nazis versteckt.  

Gohl hob hervor, Mauch verstehe „das Wirken der Pfarrfrau Elisabeth Goes als Wahrnehmung von ‚Verantwortung ohne Amt‘. Debora Mauch legt den Finger auf eine zentrale Forschungslücke: Lange Zeit ist die Rolle der Pfarrfrau in der kirchenhistorischen Forschung randständig geblieben, obwohl sie für das Gemeindeleben vielfach prägend war“. Es werde klar, dass „die Rolle der Pfarrfrau faktisch eine mitverantwortliche, seelsorgerliche Funktion“ umfasst habe. Damit erscheine die Pfarrfrau jener Zeit nicht nur als Ehepartnerin, sondern als grundlegender Bestandteil des Pfarramts. Das habe sich in der Kriegszeit zugespitzt: „Während der Kriegsjahre und der damit zusammenhängenden Abwesenheit des Mannes, verkörperte die Pfarrfrau, verkörperte konkret Elisabeth Goes, das Pfarramt allein.“ 

Gohl bilanzierte in Anlehnung an den Soziologen Hartmut Rosa: „Elisabeth Goes hat in einer Zeit, in der der NS-Staat konstellativ alle Lebensbereiche durchdringen und über Ausgrenzung und Vernichtung jüdischer Menschen bestimmen wollte, situativ gehandelt, sich nicht vorenthalten, Not wahrgenommen und in eigener Entscheidung und Verantwortung, allen Risiken zum Trotz, jüdische Menschen aufgenommen. Dies dem Vergessen entrissen zu haben, […] ein fundamentaler Beitrag zur Erinnerungskultur der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.“ 

Zur Erschließung des Lebens von Elisabeth Goes bediente sich Mauch unter anderem der Methoden der sogenannten Oral History und führte intensive Gespräche mit Goes‘ drei Töchtern. 

In seiner Laudatio über Sandra Schwenkschusters theologische Hauptseminar-Arbeit sagte Landesbischof Gohl, es sei ihr Verdienst, „den in Württemberg gut bekannten Gustav Werner weit über das vertraute Bild des pragmatischen Gründers diakonischer Einrichtungen herauszuheben und seine theologischen Reflexionen, ja sein Ringen um Frömmigkeit und Wesen der Kirche herauszustellen.“ Ihre Arbeit mache deutlich, dass Gustav Werner nicht einem naheliegenden Schema folge: „Das leidenschaftliche Ringen um seine Anliegen und die schmerzhaften Konflikte mit der Kirche führten nicht dazu, sich ganz in die Praxis vor Ort zu flüchten und die Organisation – Kirche oder Volk – als Ganzes aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Pragmatismus und Realismus vor Ort und Fragen nach dem Großen und Ganzen schließen sich nicht aus.“ 

Schwenkschuster biete nicht nur einen „vertieften historischen Blick auf die Frühzeit der Industrialisierung und die Figur Gustav Werner in Württemberg, sondern […] auch einen wertvollen Impuls für kirchliches Handeln oder pfarramtliche Existenz heute: Diakonische Leidenschaft und theologische Reflexion, Tatkraft vor Ort und Strategie für das Ganze schließen sich nicht aus, sondern durchdringen sich bestenfalls gegenseitig.“ 

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

Instagram @elkwue - Newskanal der Landeskirche

Externer redaktioneller Inhalt

Hier wird Ihnen ein externer redaktioneller Inhalt bereitgestellt. Sofern Sie sich diesen anzeigen lassen, kann es sein, dass Daten von Ihnen an den Anbieter des externen Inhaltes gesendet werden.

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Texte, Grafiken und Vorlagen für Ihre Kanäle finden Sie auf unserer Materialseite.

Schon gewusst?

Was es mit der Kirchensteuer auf sich hat, wie sie bemessen wird und welche positiven Effekte die Kirchen mit der Kirchensteuer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens erzielen, erfahren Sie auf www.kirchensteuer-wirkt.de.

Grafik Kirchensteuer wirkt Bildung

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

ELK_Presse, Freunde, Personen, Sifts, ELK_Presse, Freunde, Personen, Sifts

„Kirchengebäude predigen ohne Worte“

Die Stiftskirche in Stuttgart hat ihren 700. Geburtstag gefeiert. Sie ist die Hauptkirche der württembergischen Landeskirche, in ihr werden die Mitglieder der Kirchenleitung ins Amt eingesetzt. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hielt die Predigt im Festgottesdienst.

Weiterlesen

Sommertagung der 16. Landessynode.
Stuttgart, DEU, 08.07.2022 Sommertagung der 16. Landessynode der Evangelischen Kirche Württemberg im Hospitalhof No model release

Für ein besseres Bibelverständnis

Sie wiegt zwei Kilogramm und hat 2.200 Seiten: Die neue „Stuttgarter Erklärungsbibel“ erleichtert mit einem umfassenden Erklärungsteil den Zugang zur Bibel. Mit-Herausgeber Oberkirchenrat Ulrich Heckel erklärt, warum es im Jahr 2023 so eine Bibelausgabe braucht.

Weiterlesen

Worauf Vikarin Keller sich freut

„Ich finde das total cool, dass ich das Gefühl habe, es ist meine Aufgabe, über das ins Gespräch zu kommen, was im Leben wirklich zählt. Den Sinn des Lebens, Gott, Jesus.“ Die Undinger Vikarin Lydia Keller erzählt im Video, worauf Sie sich im Pfarrberuf freut.

Weiterlesen

Landesbischof verleiht Bibelpreis 2023

Der Bibelpreis 2023 geht nach Stuttgart, Göppingen, Schwäbisch Hall und Holzmaden. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl freut sich, „dass in der Landeskirche analog und digital kreative Ideen verwirklicht wurden, die spürbare Hoffnung in die Gesellschaft hineintragen“.

Weiterlesen

Gerhard Hennig zum 85. Geburtstag

Prof. Dr. Gerhard Hennig feiert am 25. September seinen 85. Geburtstag. Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sagt über den früheren Oberkirchenrat, er habe vielen Pfarrerinnen und Pfarrern den Blick für den württembergischen Gottesdienst mit all seinen Chancen geöffnet.

Weiterlesen

Alles andere als „EGAL?“
Stuttgart, DEU, 21.09.2023 Alles andere als „EGAL?“ – Veranstaltungsreihe zur gesellschaftlichen Bedeutung des Religionsunterrichts Veranstaltungsreihe der Erzdiözese Freiburg, der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mit Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Landesbischöfin Heike Springhart, Islamwissenschaftler Michel Abdollahi im Hospitalhof in Stuttgart. No model release.

„Die Gesellschaft braucht die Kirchen“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landesbischöfin Dr. Heike Springhart (Baden) und der Journalist Michel Abdollahi haben bei einer Veranstaltung im Stuttgarter Hospitalhof über die gesellschaftliche Bedeutung von Religion und Religionsunterricht diskutiert.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W
Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y