22.04.2025

Landesbischof Gohl fordert Schutz von Pfarrpersonen und Gemeindegliedern in Langenau

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl äußerte sich in der Jüdischen Allgemeinen zu den Anfeindungen „propalästinensischer“ Aktivisten in Langenau.

Seit Pfarrer Ralf Sedlak im Gottesdienst den Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 erwähnte, ist er bis heute verbalen Angriffen und Drohungen ausgesetzt. Konkrete Aktionen richteten sich immer wieder auch gegen Gottesdienstbesucherinnen und  -besucher sowie das Pfarr- und Wohnhaus von Pfarrer Sedlak und seiner Familie.  

Kommentar von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl in der Jüdischen Allgemeinen am 14. April 2025: 

„Die Vorkommnisse in Langenau beschäftigen die Evangelische Landeskirche in Württemberg auf allen Ebenen und sind ein Grund zu großer Sorge. Rote Linien wurden schon längst und wiederholt überschritten. Dabei ist mir bewusst, dass Langenau kein Einzelfall ist. An vielen Stellen in Deutschland zeigt sich offen ein eliminatorischer Antisemitismus, den ich so nicht für möglich gehalten hätte. 

Als Landeskirche nehmen wir die Vorgänge und Vorfälle sehr ernst. Wir versuchen, den bedrängten Pfarrpersonen und der Kirchengemeinde beizustehen. Wir sichern ihnen unsere tatkräftige Hilfe zu, wenn sie in unerträglicher Weise beschimpft, beleidigt und eingeschüchtert werden. 

Bei einem Gespräch vor Ort in Langenau mit der Bürgermeisterin, Vertretern und Vertreterinnen des Gemeinderats, Vertretern und Vertreterinnen des Landtags, der Kirchen, der Polizei und Justiz, zu dem Michael Blume, der Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus eingeladen hatte, weckte der Polizeipräsident die Hoffnung, dass endlich von Seiten der Stadt eine Allgemeinverfügung erlassen werden würde. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Bis heute ist die Kommune nicht in der Lage oder nicht willens, eine solche zu erlassen. 

Viele kirchliche und staatliche Stellen sind mit den Vorgängen in Langenau befasst, ohne dass sich die Situation entspannt hätte. Das verstärkt das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. 

Im Namen der Landeskirche appelliere ich an den Gemeinderat in Langenau, zu einer klaren Haltung zu finden, die Allgemeinverfügung zu erlassen und unsere Gemeindeglieder sowie unsere Pfarrpersonen endlich vor weiteren Übergriffen und Anfeindungen zu schützen. 

Antisemitismus – das lässt sich an Langenau zeigen – ist kein »jüdisches Problem«, sondern betrifft alle Menschen. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg steht an der Seite der jüdischen Gemeinden und ihrer Mitglieder im Wissen, dass diese Wurzel auch uns als christliche Gemeinde trägt.“ 

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