16.10.2025

„Erkenne ich die Zeichen der Zeit, wenn gegen Menschen gehetzt und gegen Menschengruppen Vorurteile geschürt werden?“

80 Jahre Stuttgarter Erklärung – Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl predigt in Gedenkgottesdienst am 19. Oktober 

Am 19. Oktober 2025 jährt sich die Stuttgarter Erklärung (auch Stuttgarter Schulderklärung genannt) zum 80. Mal. Dies war das erste Eingeständnis der neu gegründeten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), im Dritten Reich versagt zu haben. Diesem Ereignis ist ein Fest-Gottesdienst in der Stuttgarter Markuskirche gewidmet, wo am Abend des 17. Oktober 1945 ein Gottesdienst aus Anlass des ersten Treffens des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland stattfand. 

Der Originaltext des Stuttgarter Schuldbekenntnisses.
Der Originaltext der Stuttgarter Schulderklärung.

Die Stuttgarter Schulderklärung war „das Eingeständnis einer historischen Schuld und eines beispiellosen Versagens der Christen und der Evangelischen Kirche in Deutschland an diesem Verbrechen“, so Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl in seiner Predigt im Gedenkgottesdienst zum 80. Jahrestag der Stuttgarter Schulderklärung am 19. Oktober in der Stuttgarter Markuskirche. Diese Schuld habe darin bestanden, „‘nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben‘“, zitiert Gohl aus dem Text der Erklärung. Der Anstoß zu dieser Erklärung, so Gohl, sei von Vertretern der internationalen Ökumene gekommen, die zu dieser Zeit in Stuttgart die erste Versammlung des Rats der neu gegründeten EKD begleiteten.  

Ernst-Wilhelm Gohl predigt in der Markuskirche über Jeremia 14,7-9 – über denselben Text hatte 1945 am Vorabend der ersten EKD-Ratstagung in der Markuskirche auch Martin Niemöller gepredigt, einer der führenden Vertreter der Bekennenden Kirche und späterer Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Niemöller gehörte mit Hans Asmussen und Otto Dibelius zu den Verfassern der Erklärung. Der damalige württembergische Landesbischof Theophil Wurm unterzeichnete die Erklärung gemeinsam mit den Autoren und sieben weiteren Kirchenvertretern. 

Dieser Text aus dem Buch Jeremia enthält „ein kollektives Schuldeingeständnis“ gegenüber Gott, so Gohl in seiner Predigt: ‚Unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben‘. Dass Niemöller sie „in einer historisch ganz besonderen Situation der Schuld Deutschlands und seiner Kirchen für den millionenhaften Tod von unschuldigen Menschen als Predigttext auswählt, mache deutlich: Schuld geschieht zwischen Menschen und Menschen – und Schuld geschieht zwischen Menschen und Gott.“ 

Auch den „blinden Fleck des Dokuments“ spricht Gohl an: „Was fehlt, ist die ausdrückliche Erwähnung der Schuld gegenüber den Jüdinnen und Juden in Deutschland und an unzähligen Orten dieser Welt. Denn die evangelische Kirche trägt eine Mitschuld an dem Grauen von Ausschwitz, an den sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden.“ Die Aufarbeitung dieser Mitschuld, des christlichen Antisemitismus und des Holocaust habe erst fünf Jahre später bei der EKD-Synode in Berlin-Weißensee begonnen.   

Mit Blick auf die gegenwärtige Situation in Deutschland und der Welt folgert Gohl, vielleicht sei „das der stärkste Impuls für heutige Christen […] rechtzeitig die Zeichen der Zeit zu erkennen und mutig für die Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzutreten. Erkenne ich die Zeichen der Zeit, wenn gegen Menschen gehetzt und gegen ganze Menschengruppen und Minderheiten Vorurteile geschürt werden? Widerspreche ich deutlich genug dem Antisemitismus, der sich nach dem 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg in erschreckender Weise Bahn gebrochen hat – nicht nur in Berlin, sondern auch bei uns in Stuttgart?“ 

Der Gedenkgottesdienst beginnt am Sonntag, 19. Oktober, um 10:00 Uhr in der Markuskirche in Stuttgart (Filderstraße 22, 70180 Stuttgart). Im Anschluss an den Gottesdienst findet ein Empfang in den Räumen der Kirche statt. 

Mehr über die Stuttgarter Schulderklärung lesen Sie hier. Den Volltext des Dokuments und die Predigt von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl finden Sie unten zum Download.

Die Landeskirche in den sozialen Netzwerken

@elkwue - Newskanal der Landeskirche

@WissensWerte - Infokanal der Landeskirche

@GlaubensSachen - täglich christliche Impulse

Hinweis für Kirchengemeinden

Kirchengemeinden sind herzlich eingeladen, Texte wie diesen von www.elk-wue.de in ihren eigenen Publikationen zu verwenden, zum Beispiel in Gemeindebriefen. Sollten Sie dabei auch die zugehörigen Bilder nutzen wollen, bitten wir Sie, per Mail an kontaktdontospamme@gowaway.elk-wue.de nachzufragen, ob die Nutzungsrechte für den jeweiligen Zweck vorliegen. Gerne können Sie alle Bilder nutzen, die Sie im Pressebereich unserer Webseite finden. Sie möchten in Ihrem Schaukasten auf unsere Webseite verlinken? Hier erfahren Sie, wie Sie dafür einen QR-Code erstellen können. 

Weitere Meldungen, die Sie interessieren könnten

Wohltätiger Glaubensernst

Charlotte Reihlen, eine fromme Fabrikantenfrau und frühe Frauenförderin, lebt weiter in ihren Initiativen. Sie gab den Anstoß zur Gründung des heutigen Evangelischen Mörike-Gymnasiums und der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart. Heute vor 150 Jahren ist sie gestorben.

Weiterlesen

Geprägt vom Pietismus

Christian Friedrich Spittler war in seinem Glauben und Handeln geprägt vom württembergischen Pietismus, gab er Anstoß zu mehr als 20 wohltätigen und missionarischen Einrichtungen. Am 8. Dezember vor 150 Jahren ist er gestorben.

Weiterlesen

Nadja Schienke ist Studentin der Religionspädagogik und Soziale Arbeit in Ludwigsburg.

Gott vergisst niemanden

Am Ewigkeitssonntag gedenken Christinnen und Christen den Verstorbenen. Nadja Schienke fragt sich: „Was passiert eigentlich mit Menschen wenn sie tot sind?“ Eine Andacht zum Ende des Kirchenjahres.

Weiterlesen

Christian Beyer verliest vor Kaiser Karl V. die „Confessio Augustana“

Vom Bäcker zum Bürgermeister

Für einen kurzen Moment trat die kleine Reichsstadt Reutlingen auf die Bühne der Weltgeschichte: Als im Juni 1530 die „Confessio Augustana“ unterzeichnet wurde, standen dort auch die Unterschriften zweier Reichsstädte – die des reichen Nürnberg und die Unterschrift des Reutlinger Bürgermeisters Jos Weiß. Heute vor 475 Jahren ist er gestorben.

Weiterlesen

Ein religiöser Sozialist

Heute vor 175 Jahren wurde Christoph Friedrich Blumhardt in die Anfänge der Möttlinger Bewegung hineingeboren. 1852 zog die Familie nach Bad Boll, wo der Vater im Kurhaus ein Seelsorgezentrum gründete, das Menschen aus ganz Europa besuchten.

Weiterlesen

Religiös, fromm, selbstbewusst

Mit 19 Jahren heiratete Sabina von Bayern den späteren Herzog von Württemberg, Ulrich. Sohn Christoph hatte später als Nachfolger seines Vaters wesentlichen Anteil an der Umsetzung der Reformation in Württemberg. Heute wäre Sabina von Bayern 525 Jahre alt geworden.

Weiterlesen

Farbschwäche:

Benutzen Sie die Schieberegler oder die Checkboxen um Farbeinstellungen zu regulieren

Einstellungen für Farbschwäche

Schrift:

Hier können die Schriftgröße und der Zeilenabstand eingestellt werden

Einstellungen für Schrift

Schriftgröße
D
1
U

Zeilenabstand
Q
1
W

Tastenkombinationen:

Mit den aufgeführten Tastenkombinationen können Seitenbereiche direkt angesprungen werden. Verwenden Sie auch die Tabulator-Taste oder die Pfeiltasten um in der Seite zu navigieren.

Inhalt Tastenkombinationen

Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Barrierefreiheit: A
Hauptnavigation: M
Toolbar Menü: T
Inhalt: C
Footer: F
Schriftgröße +: U
Schriftgröße -: D
Zeilenabstand +: W
Zeilenabstand -: Q
Nachtmodus : Alt (Mac Option Key) + J
Ohne Bilder: Alt (Mac Option Key) + K
Fokus: Alt (Mac Option Key) + G
Tasten­kombinationen: Alt (Mac Option Key) + O
Tastensteuerung aktivieren: Alt (Mac Option Key) + V
Alles zurücksetzen: Alt (Mac Option Key) + Y