07.07.2025

Auseinandersetzung in Langenau: „Hier wären schon lange Kommune und Landkreis gefordert gewesen“

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl zur zugespitzten Situation zwischen Pro-Palästina-Demonstrierenden und Gottesdienstbesuchern in der Kirchengemeinde Langenau

Am 6. Juli 2025 kam es vor der evangelischen Martinskirche in Langenau zu Handgreiflichkeiten zwischen Pro-Palästina-Demonstrierenden und Gottesdienstbesuchern. 

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl

Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sagt dazu, er sei mit Pfarrer Ralf Sedlak einig: „Gewalt ist nie eine Lösung und durch nichts zu rechtfertigen.“ Gohl fährt fort: „Für mich zeigen die Ereignisse vom Sonntag aber auch, dass es ein Trugschluss ist zu meinen, einen solchen Konflikt aussitzen zu können. Seit 1½ Jahren werden Pfarrer Sedlak und seine Familie in einer Weise persönlich diffamiert, die nicht hinzunehmen ist. Es kann nicht sein, dass Sonntag für Sonntag Gottesdienstbesucherinnen und -besucher bedrängt und eingeschüchtert werden, so dass viele Gemeindeglieder inzwischen den Gottesdienst in der Martinskirche nicht mehr besuchen. Achselzuckende Kenntnisnahme hilft nicht weiter. Hier wären schon lange Kommune und Landkreis gefordert gewesen.“

Schon im April 2025 hatte Gohl in einem Beitrag für die Jüdische Allgemeine geschrieben: „Die Vorkommnisse in Langenau beschäftigen die Evangelische Landeskirche in Württemberg auf allen Ebenen und sind ein Grund zu großer Sorge. Rote Linien wurden schon längst und wiederholt überschritten. Als Landeskirche nehmen wir die Vorgänge und Vorfälle sehr ernst. Wir versuchen, den bedrängten Pfarrpersonen und der Kirchengemeinde beizustehen. Wir sichern ihnen unsere tatkräftige Hilfe zu, wenn sie in unerträglicher Weise beschimpft, beleidigt und eingeschüchtert werden.

Hintergrund:

Seit über eineinhalb Jahren sind Pfarrer Ralf Sedlak mit Familie sowie Besucherinnen und Besucher der Gottesdienste in der Langenauer Martinskirche massiven Anfeindungen ausgesetzt. Dies begann, als Pfarrer Sedlak im Oktober 2023 im Gottesdienst den Überfall der Hamas auf Israel erwähnte. Konkrete Aktionen richteten sich seither immer wieder auch gegen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher sowie das Pfarr- und Wohnhaus von Pfarrer Sedlak und seiner Familie. Die Anfeindungen gipfelten in einer anti-israelischen Demonstration, schlimmsten antisemitischen Schmierereien an der Martinskirche und nun in den jüngsten Auseinandersetzungen.

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